Logbuch "Installation von BorWin alpha" von Bord der Thialf
Montag, 25.05.2009
07:47 Uhr: Landung auf dem Helikopterdeck der Thialf;
das Installationsschiff befindet sich auf Position N 54° 21’ 63’’ E 6° 01’ 36’’
08:37 Uhr: Nach der Sicherheitsunterweisung kleiner Rundgang an Deck, anschließend bringen wir das Gepäck auf die Kabinen
09:30 Uhr: der zweite Helikopter an diesem Tag landet, wir beginnen parallel unsere große Führung über das gesamte Schiff einschließlich aller an Deck befindlicher Arbeitseinrichtungen, der beiden großen Kräne usw. sowie unter Deck Besichtigung von Lager, Lebensmittellager, Maschinenraum, Steuerzentrale, Kranführerhaus, Brücke, Cinema, Fitnessraum und mehr
14:45 Uhr: der letzte Helikopter dieses Tages landet, auch unser Bauleiter kommt an Bord
16:50 Uhr: am Horizont ist die Barge mit Plattform und Jacket bereits zu sehen
21:09 Uhr: so langsam rückt der Schleppverband näher, an Bord laufen die Vorbereitungen zum Festmachen der Barge sowie für die folgenden Arbeiten
00:30 Uhr: es scheint, als würde es nicht mehr lange dauern bis zum Anlegen
03:00 Uhr: die Barge mit Jacket und Plattform macht an der kurzen Seite der „Thialf“ fest, riesen Fender schützen beide Schiffe
04:10 Uhr: nach Auswertung des Wetterberichtes von 3.00 Uhr entscheidet der Kapitän, die Arbeiten auf Eis zu legen, höhere Wellen sind angekündigt und dies bedeutet Gefahr für Jacket und die technischen Anlagen auf der Plattform
05:20 Uhr: ein Teil der Besatzung hat nach dem Anlegen aufgrund der Höhenunterschiede zwischen Barge und Thialf zunächst auf ein so genannten guard vessel übergesetzt – dieses überwacht das „Baustellengelände“ auf See – von hier aus werden die Männer mit einem „crew basket“ zur Thialf „hinübergeschwenkt“, die Barge ist bereits wieder auf dem Rückzug
06:00 Uhr: der Schleppverband mit Plattform und Jacket verschwindet im Nebel - aufgrund der Wettervorhersagen geht es nach Emshaven zurück, ein Zeitraum von mindestens zwölf Stunden wird für die Fortsetzung der Arbeiten benötigt.
Dienstag, 26.05.2009
08:33 Uhr: der Wetterbericht verspricht keine Wetterbesserung für einen längeren Zeitraum, es heißt warten; es regnet zwar im Moment nur, aber die Wellenhöhe hält sich noch in Grenzen
17:11 Uhr: der Wind hat gut zugelegt, entsprechend sind auch die Wellen höher, keine Planänderung in Sicht
Mittwoch, 27.05.2009
07:47 Uhr: draußen ist es nach wie vor sehr windig, aber die Sonne zeigt sich wieder; nach dem 3.00 Uhr Wetterbericht der vergangenen Nacht ist vorgesehen, dass die Barge in Emshaven Donnerstagmorgen wieder starten kann, nach Ankunft bei der Thialf könnten die Arbeiten starten
Donnerstag, 28.05.2009
08:42 Uhr: Stand nach dem letzten Wetterbericht ist, dass die Barge erst gegen Mittag auslaufen kann, da der Schwell noch zu hoch ist
14:10 Uhr: die Barge mit Plattform und Jacket ist gegen 13.00 Uhr ausgelaufen
21:30 Uhr: die Barge ist am Horizont in Sicht
23:30 Uhr: rund 500 Meter trennen die „Thialf“ und den Schleppverband
Freitag, 29.05.2009
06:18 Uhr: nach wie vor ist der Schleppverband in Nähe der „Thialf“ - festgemacht hat er allerdings nicht, später ist zu hören, dass der Wellengang noch immer zu hoch war, der Wetterbericht verspricht Besserung
07:03 Uhr: bewegt sich der Schleppverband in Richtung Heck der „Thialf“
08:36 Uhr: die erste Leine wird fest gemacht
09:00 Uhr: die Barge hat am Heck der „Thialf“ festgemacht
09:36 Uhr: einige Mann setzen mit dem crew basket rüber und starten mit den Vorbereitungen, so wird beispielsweise das so genannte sea fastening gelöst - für den Transport war das Jacket auf Stahlträger geschweißt, dies wird entsprechend mit Hilfe des Schweißbrenners getrennt; auch werden Taue und Stahltrosse angebracht, um das Jacket anheben zu können
12:02 Uhr: die Stahltrosse, mit denen das Jacket angehoben wird, werden für die vier einzelnen Kranhaken bereit gemacht und daran aufgehängt; immer wieder werden Männer mit dem crew basket übergesetzt, die sich zum Beispiel auch um das Anbringen der Trosse ganz oben kümmern - Schwindelfreiheit vorausgesetzt
14:25 Uhr: mit dem Kran wird das Jacket langsam angehoben, bis es frei hängt
14:40 Uhr: die Barge - jetzt nur noch mit der Plattform - wird aus der 500-Meter-Zone geschleppt - diese Fläche muss rund um die „Thialf“ freigehalten werden
15:05 Uhr: das Positionieren des Jackets beginnt, dafür dreht sich die „Thialf“ fast unmerklich gen Westen, dank ihres dynamischen Positionierungssystems mit sechs dieselbetriebenen Propellergondeln bleibt das Schiff stets auf der gewünschten Position - im Normalfall ohne weitere Anker
15:33 Uhr: langsam wird das Jacket herabgelassen, Meter für Meter taucht ins Wasser
15:45 Uhr: bis auf drei Meter über dem Meeresboden ist das Jacket herabgelassen
16:30 Uhr: nach der endgültigen Ausrichtung steht das Jacket nun auf dem Meeresboden, anschließend werden Taue und Trosse wieder gelöst, das Ganze dauert bis zum Abend, anschließend wird die Thialf so positioniert, dass das Jacket backbord lag
22:00 Uhr: eigentlich soll es losgehen: die so genannten piles sollen angehoben und hinabgelassen werden; es handelt sich dabei um 69 Meter lange Rohre, die in die vier neun Meter hohen pile sleeves an den unteren Enden des Jackets eingebracht werden. Die pile sleeves übernehmen die Funktion von Führungsbuchsen, in die die Rohre eingeführt werden, diese werden anschließend mit einem Ramm-Hammer in den Meeresboden geschlagen, schließlich mit einem speziellen Beton verfestigt, so dass das Jacket dauerhaft festen Stand hat
Samstag, 30.05.2009
3:00 Uhr: das erste Rohr wird mittels einem speziellen Greifer und Kran angehoben und Richtung backbord gehievt, vorher wurde ein ROV (Remotely Operated Vehicle ) hinabgelassen, dass die genaue Positionierung des Rohres in den pile sleeve überwacht, der Operator sitzt vor dem Monitor und sieht per Unterwasserkamera genau, wo es hingehen muss und kann den Kranführer entsprechend instruieren, viertel nach vier ist es drin und bis auf den Meeresboden versenkt, rund 30 Meter schauen dann noch aus dem Wasser
6:30 Uhr: das letzte der vier piles wird angehoben und Richtung backbord gehievt und hinabgelassen
8:20 Uhr: das ROV wird zurück an Deck gehoben
9:30 Uhr: der mit Hydraulik betriebene Hammer wird zum Aufsetzen vorbereitet
11:00 Uhr: der Ramm-Hammer wird mit dem Kran angehoben und langsam auf das erste pile aufgesetzt
11:20 Uhr: der erste Rammschlag - noch nicht mit voller Energie - erfolgt, das Rohr versenkt sich beim ersten Mal um gleich mehrere Meter; nach und nach wird die volle Energie für den Hammer angefahren; je tiefer es geht, umso kürzer wird die eingeschlagene Rohrlänge; ab da an geht es für die nächsten Stunden Zentimeter für Zentimeter und pile für pile weiter in den Meeresboden...
15:25 Uhr: wir werden informiert, dass die Arbeiten mit dem Hammer abgebrochen werden mussten; laut einem verantwortlichen Projektleiter von Heerema muss ein Ventil getauscht werden; der Ersatzhammer ist noch nicht einsatzbereit, daher Reparatur statt Tausch - die kann dauern
23:15 Uhr: der Hammer ist wieder einsatzbereit und wird neu über positioniert
00:05 Uhr: das „pile driving“ wird fortgeführt
01:24 Uhr: pile B1 ist auf dem Zielpunkt von 52 m angelangt
02:05 Uhr: das ROV wechselt zum pile C1, die „Thialf“ wird um etwa 25 Meter nach Norden gedreht
02:20 Uhr: der Hammer wird auf das zweite pile aufgesetzt
03:07 Uhr: es muss erneut unterbrochen werden, der Hammer ist schon wieder defekt, dieses Mal ist es ein Druckventil, das Probleme bereitet
Sonntag, 31.05.2009
07:20 Uhr: mit dem „crew basket“ wird eine kleine Mannschaft zum Jacket übergesetzt, die beginnt, die provisorischen Gerüste am Jacket abzubauen
13:15 Uhr: nun geht es auch mit dem „pile driving“ weiter, das zweite Rohr wird weiter eingeschlagen
15:26 Uhr: auch das zweite pile ist nun eingerammt
17:50 Uhr: nach wiederholter Umpositionierung der „Thialf“ - diesmal einmal rund um die Plattform - geht's mit dem dritten pile weiter
20:20 Uhr: nach nicht einmal drei Stunden ist auch dieser drin
22:08 Uhr: das „hammering“ für das vierte und letzte pile wird gestartet
22:42 Uhr: der Hammer wird zurück an Bord geholt, es gibt ein Leck an einem Verschluss, Hydrauliköl läuft dort aus
Montag, 01.06.2009
03:22 Uhr: es kann weitergearbeitet werden, der Hammer wird nochmals aufgesetzt
03:55 Uhr: das Hämmern beziehungsweise Rammen geht weiter
05:15 Uhr: endlich geschafft, alle vier piles sind fest in den Meeresboden gerammt, die Vorbereitungen für das so genannte „grouting“ gehen los; damit wird das Fixieren mit speziellem Unterwasserbeton bezeichnet, der durch schmale Schläuche von unten in den Zwischenraum zwischen pile sleeve und pile gepumpt wird
07:30 Uhr: vorbereitend für das „grouting“ werden die pile sleeves mit 2.000 Litern Seewasser gespült
07:57 Uhr: das Betonieren am ersten der vier piles startet
09:40 Uhr: Besuch von der Küstenwache; die Beamten lassen sich die Genehmigungen für die Installationsarbeiten zeigen und bleiben noch eine Weile in der Nähe
20:10 Uhr: der erste Teil des „groutings“" ist abgeschlossen, zusätzlich muss nun von oben noch betoniert werden
20:26 Uhr: die Gerüstbauer sind schon bei der dritten Ecke des Jackets und bereiten das Aufsetzen des Topsides weiter vor, dafür werden an den vier Aufsetzpunkten provisorische Gerüste errichtet, auf denen dann von unten gearbeitet, z.B. geschweißt, werden kann
22:14 Uhr: das grouting ist abgeschlossen, nun heißt es 24 Stunden warten aufs Aushärten
Dienstag, 02.06.2009
00:20 Uhr: Schichtwechsel: die Gerüstbauer ziehen durch und bauen auch in der Nacht weiter
01:00 Uhr: die „Rig Express“ geht längs der „Thialf“, das Versorgungsschiff hat etliche Container für die „Thialf“ an Bord und nimmt auch einiges mit
08:30 Uhr: die „Rig Express“ macht sich wieder auf den Weg
15:30 Uhr: die Arbeiten am Jacket sind soweit abgeschlossen, es wird daher vom Arbeitsmaterial geräumt
17:30 Uhr: die sogenannte rigging platform, quasi die Montageplattform, auf der gearbeitet wurde, wird deinstalliert und an Deck gelagert
Mittwoch und Donnerstag, 03/04.06.2009
An Bord finden lediglich Wartungsarbeiten sowie Vorbereitungen für die Folgeaufträge und für die bevorstehenden Schweißarbeiten statt. In Sachen BorWin alpha heißt es warten: auf weniger Wind und niedrigere Wellen.
Freitag, 05.06.2009
06:00 Uhr: die Barge hat den Hafen von Eemshaven wieder verlassen
12:30 Uhr: Gerüstbauer werden für Modifikationen und Erweiterungen am Jacket erneut übergesetzt
17:30 Uhr: sie beenden ihre Arbeit und kehren auf die „Thialf“ zurück
17:50 Uhr: die Barge ist vor Ort, kann aber aufgrund zu hohen Schwells nicht festmachen (Schwell nennt man den nach Abflauen des Windes noch auslaufenden Seegang)
Samstag, 06.06.2009
06:30 Uhr: die Barge kommt am Heck längsseits
07:30 Uhr: die Taue sind verzurrt
08:15 Uhr: die ersten ABB-Kollegen setzen für eine erste Durchsicht zur Plattform über, ebenso wie Besatzungsmitglieder, die sich anschließend um das Lösen und Entfernen der Transportsicherungen kümmern
10:00 Uhr: die Plattform wird am Kranhaken befestigt
11:20 Uhr: das demontierte Montagedeck der Plattform sowie andere Bauteile werden auf die Barge verladen und seefest gemacht
12:30 Uhr: die Plattform wird mit Hilfe des Krans angehoben, die Barge verlässt das Baufeld,
13:20 Uhr: Umpositionierung der „Thialf“
14:40 Uhr: die „Hochzeit“ zwischen Jacket und Topside ist erfolgt
16:40 Uhr: Equipment für die Schweißarbeiten wird mit Containern auf die Plattform gebracht
17:30 Uhr: die Mitarbeiter von ABB starten ihre Arbeiten an der Plattform
20:20 Uhr: das Errichten von Zelten für die Schweißarbeiten an den vier Aufsetzpunkten beginnt
Sonntag, 07.06.2009
08:50 Uhr: die Schweißarbeiten an den Aufsetzpunkten der Plattform in den eingerichteten „Zelten“ beginnen
16:00 Uhr: die Schweißarbeiten sind abgeschlossen, es kann aufgeräumt werden
19:00 Uhr: Kontrollgang der zuständigen Projektleiter
02:00 Uhr: Abschluss der Aufräumarbeiten
03:00 Uhr: die „Thialf“ macht sich auf den Weg zum nächsten Auftrag

